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Verreimte Geschichten, Gedichte und Lieder
Alles keine Gründe, Kommoden zu zerhacken


Ausgedacht und aufgesagt

Lied für einen depressiven Fischverkäufer

Morgen Mittag schau ich wieder
bei meinem Fischverkäufer rein.
Traurig hängen seine Glieder
an ihm runter - so allein

zwischen all den kalten Fischen
kann er gar nicht fröhlich sein,
nur ein bisschen mutlos zischen
und ich trau mich gar nicht rein.

Das einzige, was ich mich täglich frage
ist, wie kann ich ihn nur wieder fröhlich machen?
Ich überlege jede Nacht und alle Tage
nach Antidepressiva und andren heit'ren Sachen:

Ich falte zwanzig Origami-Krebse
und häkele einen silbergrauen Hecht.
Ich backe leckere Sardellenkekse
und zupfe einen Schleierfisch zurecht.

Ich gieße bunte Bachforellenkerzen
und ein Neunauge mal ich ganz neu an.
Statt der neun Augen hat es jetzt zwölf rote Herzen,
rot wie die Sonne am frühen Morgen in Japan.

Serviettentechnik ist ja leider schon passé,
deshalb töpf're ich ein Buntbarsch-Schlüsselbrett.
Ich löte ihm ein rosa Hummer-Mobile,
mixe Lachscreme mit Heilbutt extra fett.

Ich modellier ne Scholle aus Tonerde
und klebe goldne Sprotten hinter Glas.
Ich arrangier' sechs niedliche Seepferde
auf einer meergrün-blauen Ananas

Ach, ich kann mich nicht entscheiden:
Heringsplüsch? Ein Dorschroman?
Clownfisch-Sushi - strikt vermeiden!
Und ich fang von vorne an:

Ich komponiere ein paar Kabeljau-Konzerte
schreibe Haikus für den alten Poseidon
Ich nähe ihm ein QuallenRüschen-Shirt – ej!
ich frage Sie, wer hat denn so was schon?!

Morgen packe ich all die Geschenke in den Wagen
und fahr beim Fischverkäufer vorbei.
Dann renoviere ich seinen Fischfachverkäuferladen
mit Sägefisch und Hammerhai.

und ich schließe seine Klingel an an einen Zitteraal,
und wenn er weiter seine Trauermiene macht,
kitzle ich ihn mit meinem Killerwal,
bis das er lacht!

(2004 © A.Dufft)

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