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Verreimte Geschichten, Gedichte und Lieder
Alles keine Gründe, Kommoden zu zerhacken

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Ausgedacht und aufgesagt

 

Der Wasserhahn

Es war morgens früh am Dienstag
und grade zehn nach acht
ich habe mir zwei Toast und
eine schöne Tasse Tee gemacht
Da klingelt es an meiner Tür
Draußen steht ein Handwerker
Er hätte jetzt, erklärt er mir
das Wasser abgestellt

Weil, und einen Grund erfährt man selten
im ersten Stock sei wohl ein kleines oder
eher größeres Malheur passiert, ein Wasserhahn
sei von der Wand gefallen, ein maroder

Er hat den Hahn dabei, den abgefallnen
gehüllt in einen weißen Lappen und zeigt ihn mir:
Sehn Sie nur, wie schlimm der aussieht
Da war das Ende zu erwarten
Voll Entsetzen und mit angemessner Trauermine
möchte ich ihn fast fragen, wann denn die Bestattung sei
und das ich gerne kommen würde
ich halte dort auch eine Rede...

Doch statt dessen sag ich einfach "Danke"
Danke, dass er mir Bescheid gegeben
das sei schließlich nicht normal
meistens wird das Wasser eben
abgestellt und man erfährt noch nicht einmal
wie lange, geschweige denn warum

OOOh, das müsse er auch gar nicht
- Bescheidsagen – da würde es auch gar nichts helfen
wenn ich ihn verklagen täte
keine Chance!
kein Anwalt würde mich vertreten!
Verstanden?!

Wieso verklagen? Ich hab doch nur gesagt
Ich hab mich nur bedankt

Ich schaue auf den Wasserhahn,
den abgefallenen, rostzuerfressnen
der noch immer dicht vor meiner Nase schwebt
in seinem weißen Totenhemd
Nun zeig ich auch auf ihn und überlege
ob ich ihm den Puls mal fühle
und vielleicht reanimiere,
Lebensodem in ihn blase

nein, denk ich, der ist hinüber.
tja, sag ich, den kann ich auch nicht reparieren
der Fachmann lacht
das solln sie ja auch gar nicht
ich sag ihn' dann Bescheid,
wenn’s Wasser wieder läuft

Ja - prima, - denk ich
und hoffentlich auch wieder ohne Anwalt...

(1995 © A.Dufft)

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