Jette
hatte immer noch keinen anständigen Beruf gelernt. Es war
schon einige Zeit her, nämlich genau zu der Zeit, als sich
ihre Eltern wünschten, dass Jette eine adrette
Krankenschwester werde, da wollte Jette am liebsten Malerin werden. Als
sehr großen Kompromiss empfanden die Eltern eine Ausbildung
zur Schaufensterdekorateurin, die aber an den seltsamem
Verhaltensweisen ihrer Lehrherren scheiterte. Anschließend
scheiterte der Versuch, das Abitur nachzumachen, diesmal aus
verschiedensten Gründen. Dadurch blieben Jette ihre
Lieblingsberufswünsche wie z.B. Innenarchitektin,
Archäologin oder Bionikerin verwehrt und erst einmal wusste
sie gar nicht, was nun werden sollte. Gewisse Umstände
brachten sie dann dazu eine Grafikerschule zu besuchen, von der aus
wechselte sie kurz vor dem Abschluss an die Hochschule in eins der
wenigen Fächer, für das man kein Abitur
benötigte und stattdessen einen dreistündigen Aufsatz
schrieb, um nach einigen Semestern festzustellen, dass sie die
Sphäre der vergeistigten Professoren und der intellektuellen
Studentenwelt nie verstehen würde.
"Ja aber was
willst du denn dann? Du musst doch irgend einen Beruf lernen."
Freunde und Soziologiestudenten waren fassungslos.
"Ich werde
Hexe."
Nun fragte keiner mehr. Nun war klar, Jette war
verrückt geworden.
Jette verwirklichte diesen
Berufswunsch allerdings nicht, obwohl sie gute Anlagen und einiges
Grundlagenwissen hatte, denn so ziemlich zur gleichen Zeit wurde es
plötzlich Mode, sich mit diesen Dingen zu
beschäftigen und man nannte es Esotherik und machte einen
ziemlich geheimnisvollen Zirkus daraus. Damit löste sich die
Basis für einen anständigen Beruf in Wohlgefallen und
Hobbyismus auf und kam nicht mehr in Frage.
Kurz vorher passierte dies übrigens den Handwerkern durch die landesweite Überflutung mit Heimwerkermärkten und auch mit dem einstmals anständigen Beruf der Grafikerin oder des Schriftsetzers verhält es sich inzwischen genauso. Seit PCs und Bildbearbeitungsprogramme die privaten Haushalte erreicht haben, glaubt jeder, diese anständigen Berufe selbst ausüben zu können.