Menschen Tiere Depressionen

Reste, die sonst nirgends reinpassten
Überbleibsel, Anmerkungen, Ausprobiertes


Ausgesiebt

Was bleibt
von dem, das nicht zur richtigen Zeit
am richtigen Ort war ...

Die Weihnachtsgeschichte

(frei nach Lukas)

1. Es begab sich aber zu der Zeit, das ein Gebot der großen Kaufhauskonzerne ausging, daß alle Welt ihr sauerverdientes Geld für Geschenke ausgeben müsse.
2. Dieses Gebot war nicht das erste seiner Art, und geschah, wie jedes mal zu der Zeit, als es auf Weihnachten zuging.
3. Und jedermann ging, ein jeglicher in sein nächstliegendes Kaufhaus.
4. Da machte sich auch auf, Erich aus Lichtenrade, aus dem Bezirk Tempelhof, zu seiner nächstgelegenen Konsumzentrale, die da heißt Karstadt, darum daß er Geschenke kaufe.
5. Auf daß er sein weniges Geld ausgebe mit Elvira, seinem vertrauten Weibe, sie hatte das Portemonaie.
6. Und als sie daselbst waren, war es Zeit, daß sie ihr Geld ausgeben sollte.
7. Und sie bezahlte für einen kleinen emaillierten Schlüsselanhänger und eine Vase aus weißem Porzellan, ließ beides in sternenbedrucktes Geschenkpapier einwickeln und legte es in ihre Tasche.
8. Und es waren Bettler und Obdachlose in der selben Gegend, die wärmten sich an einer Flasche billigem Rotwein und hüteten des Nachts ihre wenigen Habseligkeiten.
9. Und siehe, ein buntes, glänzendes Kaufhausprospekt flatterte ihnen in die Hände, das bunte Angebot leuchtete um sie und sie waren schwer gefrustet.
10. Und das glänzende bunte Kaufhausprospekt sprach zu ihnen: Seid nicht frustriert; siehe, ich verkündige euch großartige Sonderangebote, die selbst für euch erschwinglich sind;
11. Denn alle sollen heute ihr Geld ausgeben, bei Karstadt, welches ist das größte Kaufhaus in Tempelhof.
12. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden die Sonderangebote ausgebreitet auf großen Tischen mit kleinen Preisschildern.
13. Und alsbald sahen sie, mit bunten Prospekten bewaffnet, die Menge der kauffreudigen Heerscharen, die lobten das Angebot und sprachen:
14. Ehre sei Karstadt in Tempelhof, und Geld in der Kasse und dem Umsatz ein Wohlgefallen!
15. Und da die kauffreudige Menge mit den bunten Prospekten zu den Tischen mit den vielen Sonderangeboten ging, sprachen die Bettler und Obdachlosen untereinander: Laßt uns nun gehen gen Karstadt und laßt uns die schönen Dinge sehen, die wir haben sollen, die das Prospekt uns kundgetan hat.
16. Und sie kamen eilend und fanden viele wie Erich und Elvira, dazu die vielen Pakete in ihren Taschen.
17.Da sie es aber gesehen hatten, wollten sie auch teilhaben an der Freude, und sie breiteten ihre Mäntel aus, in denen sich viele der schönen Dinge verstauen ließen, ohne sie zu bezahlen. Und sie gingen und gaben den anderen davon.
18. Und alle, die was abbekamen, freuten sich der Geschenke, die ihnen die Bettler mitgebracht hatten.
19. Elvira aber hatte sie beobachtet, überlegte nicht lange und tat es ihnen nach.
20. Und auch sie verließ dann mit Erich so schnell als möglich das Kaufhaus und beschenkte all ihre Freunde und Verwandten mit den vielen schönen Dingen, die so zu ihnen gekommen waren.

(Viele Geschenkpäckchen ergießen sich von oben, scheppernde Weihnachtmusik ertönt)

(1996 © A.Dufft)

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